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INDIFFERENZ - VON KÜHLE UND LEIDENSCHAFT DES GLEICHGÜLTIGEN

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INDIFFERENZ - VON KÜHLE UND LEIDENSCHAFT DES GLEICHGÜLTIGEN

Författare: TERSTRIEP, DOMINIK

Pris: 238 SEK

ISBN: 978-3-8306-7387-3

Förlag: EOS VERLAG

Utgiven: 2009-09

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Wie hält man es mit dem Vielen aus, mit einer Unzahl von Informationen, Ansprüchen, Wahrheiten und Optionen? Indifferenz reagiert auf das Viele: strategisch als kühles Spähen, kalt als unempfindliche Gleichgültigkeit, menschlich-geistlich als gastfreundliche Offenheit, leidenschaftlich als Wahl des als richtig Erkannten.

 

208 sidor, inbunden med skyddsomslag

 

 

En recension ur Stimmen der Zeit

http://www.stimmen-der-zeit.de/zeitschrift/archiv/beitrag_details?k_beitrag=2354675

INDIFFERENZ - VON KÜHLE UND LEIDENSCHAFT DES GLEICHGÜLTIGEN

Von Kühle und Leidenschaft des Gleichgültigen

St. Ottilien: Eos 2009. 203 S. (Spuren. Essays zu Kultur und Glaube.)

 

Schon ein erster Durchblick durch die zehn Kapitelüberschriften kann zeigen, daß hier keine abstrakt definierende Abhandlung auf den Leser wartet. Indifferenz läßt sich in ihrer Ambivalenz nicht leicht auf den Begriff bringen. Man kann sie auch kaum adäquat übersetzen: "Darum geht dieses Buch nicht den Weg der Definitionen, sondern der Personen und Kontexte" (8).

 

Auf diesen Weg stimmt statt des üblichen Vorworts Jean Antoine Wattaus Gemälde "L'Indifférent" ein. Schillerend wie das Phänomen Indifferenz selbst, wirkt der Dargestellte auf den Betrachter. Auch als schwarz-weiße Kopie (7) weckt er viele Fragen, die weithin offenbleiben. Indifferenz, so lernt man bereits hier und so machen es die "Kronzeugen" dieses Buches deutlich - "Zeitgenossen, Philosophen, Moralisten, Mystiker, Theologen, Naturwissenschaftler, Schriftsteller und literarische Figuren" (8) -, durchzieht die Geistesgeschichte und ihre praktischen Auswirkungen als ununterbrochener Faden, der immer dort stark wird, "wo der Mensch um die Freiheit des Geistes ringt" (ebd.). Man ahnt schon hier, wie unentbehrlich und aktuell diese anspruchsvolle Haltung ist.

 

So läßt man sich willig und gespannt ein auf die durchwegs sorgfältig erarbeiteten Verkörperungen der Indifferenz, von denen nur einige genannt seien: Michel de Montaigne, Reinhold Schneider, Meister Eckhart, der herausragende Zenmeister Huang-Po, Zenon, Marc Aurel und Ignatius von Loyola, für den Indifferenz eine Schlüssel- rolle spielt, bis hin zu Jesus von Nazaret und - nach meiner Meinung - zu dem am besten gelungenen Duo des portugiesischen "Hilfsbuchhalters" (Fernando Pessoa) und des französischen "Landpfarrers" (Georges Bernanos) zum Abschluß des Buchs.

 

Daß ein Jesuit weit über seinen ignatianischen Horizont hinaus dem Phänomen der Indifferenz nachgeht, sei an erster Stelle positiv vermerkt. Nirgends wirkt dieser "Ritt" durch die Geistesgeschichte dilettantisch; gerade so kann er zur Lebenshilfe werden in der heutigen Überflutung durch Informationen, Optionen und Provokationen. Bemerkenswert ist auch, daß der Autor eine umfangreiche Literatur zum Thema kennt und wie er sie auswertet. Nicht zuletzt ist die sensible Sprache hervorzuheben, in der das anspruchsvolle Buch sich dem Paradox des Gleichgültigen behutsam nähert und zu ihm hinführt.

 

Natürlich bleiben Fragen. Sie werden nicht kurzschlüssig abgedrängt oder doktrinär beantwortet. Da kommen seelsorgliche Erfahrung zum Tragen und sympathische Ehrlichkeit - so vielleicht am erregendsten im sechsten Kapitel über "Das mystische Nichts" in buddhistischer und christlicher Lesart (75-88). Allerdings hätte man sich bei dem gegenwärtig so besonderen Interesse an diesem Thema zum Abschluß wohl noch mehr gewünscht als "fröhlichen Wechsel und Streit" (81f.). Anderseits paßt diese "Schwebelage" recht genau zur "Indifferenz" (Eine kleine Anmerkung: Der um 1260 geborene Meister Eckhart dürfte mindestens auch das 14. Jahrhundert inspiriert haben; vgl. 76).

 

Schwierigkeit macht mir der Ausdruck "Indifferenz der Gnade" (184,191ff.). Ist die Gnade selbst indifferent, die durch den Landpfarrer die Menschen erreicht? Ist der Priester, der über sich verfügen läßt, ihr Werkzeug? Oder sind es die scheinbar gleichgültigen Empfänger bzw. Adressaten der Gnade? Vielleicht liegt das Problem nur im sprachlichen Ausdruck. Vielleicht ist es aber auch wie bei der Aussaat des Landmanns, der seine Körner verstreut, ohne zu fragen, wohin die Saat fällt, in indifferenter Haltung also? Letztlich läßt sich über Indifferenz wohl nichts Zutreffenderes sagen als das, womit dieses kluge und lesenswerte Buch schließt und der sterbende "Landpfarrer" sein und aller Menschen Leben zusammenfaßt: "Alles ist Gnade" (195).

 

Corona Bamberg OSB